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Lotusfeld in Akita

Ukiyo-e

Die Technik des Holzdrucks kam, wie so Vieles in der japanischen Kultur, aus China. Aber wie alle anderen „Kulturimporte“ nahm die Druckkunst in Japan eine eigene Entwicklung: von den buddhistischen Schriften und Bildern ab dem 8./9. Jahrhundert über die illustrierten Bücher mit unterhaltendem oder belehrendem Inhalt, über die frühen Einblattdrucke, die zunächst handkoloriert wurden, bis hin zu den mehrfarbigen ab der Mitte des 18. Jahrhunderts. Drei Beispiele aus dem 19. Jahrhundert (von Hiroshige und Kunisada) finden Sie im Archiv 2008. Die folgenden Abbildungen  zeigen zwei Seiten eines höfischen Romans aus älterer Zeit, der aber wegen seiner Beliebtheit immer wieder gedruckt und mit Illustrationen versehen wurde, wie auch in dieser Publikation aus dem 19. Jahrhundert. 

Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die japanischen Blockdrucke, technisch gesehen, gar nicht von den Künstlern produziert wurden. Diese lieferten die mit dem Pinsel angefertigte Vorzeichnung und bestimmten, welche Farben in die Teilflächen zu drucken waren. Das Geschick des Holzschneiders wie auch des Druckers war also ausschlaggebend für die Qualität des Ergebnisses. Neben den Holzschnittvorlagen schufen die meisten Künstler auch Gemälde, d.h. Unikate für betuchtere Kunstfreunde. Eigentlich wurden die Holzschnitte, die oft in großer Zahl gedruckt und auch nachgedruckt wurden, gar nicht als Kunstwerke  angesehen: mit ihnen bediente man ein Massenpublikum in den großen Städten Edo (Tokyo) oder auch Osaka, das auf diese Weise ein „Poster“ von bewunderten Schauspielern oder schönen Kurtisanen erwerben konnte.

Besonderer Beliebtheit erfreuten sich auch die Darstellungen von Orten und Szenen an großen Reisewegen, vor allem an der Straße Tôkaidô, die Edo (=Tokyo), den Sitz des Shogunats, mit der Kaiserstadt Kyoto verband. Am berühmtesten wurde die Serie „53 Stationen am Tôkaidô“ von Hiroshige (1797-1858). Die Popularität dieser Motive zeigt sich darin, dass Kunisada (1786-1864) sie in einer eigenen Serie als Hintergrund verwendete, um Frauengestalten in Szene zu setzen. Das abgebildete Beispiel zeigt eine stürmische Landschaft mit der Andeutung eines Dorfes und Bootmasten, einen Mann, der seinem Hut nachjagt – diese kleinen Aktionen im Bild sprechen uns auch heute noch an.