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Lotusfeld in Akita

Tee und Keramik

TEE In Japan gab es vormals zwar wild wachsende Teearten, aber erst die Einfuhr veredelter Arten aus China durch Mönche ermöglichte die Verbreitung des Teegenusses. Zunächst war dieser allerdings dem Adel und den Mönchen vorbehalten. Heute gibt es in verschiedenen Gegenden Japans große Anpflanzungen von Teesträuchern. Wenngleich Japaner heutzutage auch gern schwarzen Tee trinken, so ist doch das übliche Getränk der grüne Tee. Je nach Anlass oder Jahreszeit variieren die Sorten. Der edelste Tee ist der aus den Blattknospen gewonnene (matcha), der äußerst anregend wirkt – was seine Verwendung durch buddhistische Mönche erklärt, die damit ihr Wachen und Meditieren erleichterten. 

TEEZEREMONIE  (chanoyu) Pulverisierter Tee aus Blattknospen wird mit heißem Wasser angerührt und in einer Zeremonie dargeboten und getrunken, deren bis heute gültige Regeln im 16./17. Jahrhundert von Sen no Rikyû und Kobori Enshû entwickelt wurden. So entstand der chadô, der „Teeweg“, als eine Übung des Menschen zur „inneren Vollendung“. Dieser Weg erfordert eine bestimmte Grundhaltung: Ehrfurcht gegenüber allen Wesen (kei), Harmonie (wa), zu der aufrichtige Anteilnahme gehört, innere und äußere Reinheit (sei) und Stille (jaku). – Die bei der Zeremonie verwendeten Gegenstände sind von äußerster Schlichtheit, welche den Charakter und die natürliche Schönheit des Materials zur Geltung bringt. Die keramischen Geräte  (Wasserbehälter, Teedose, Teeschalen, Blumenvasen und Behälter für Räucherwerk) weisen Unregelmäßigkeiten auf, wirken oft rustikal oder gar – wegen Brandfehlern oder Sprüngen – „missglückt“. Durch den Teekult wurden letztlich Lebenshaltung und Ästhetik der Japaner stark geprägt.

KERAMIK  In Japan gab es in vor- und frühgeschichtlicher Zeit verschiedene Arten von Töpferware. Am berühmtesten sind wohl die Gefäße der Jômon-Zeit (7.-3-Jht. v. Chr.) mit ihren teilweise reichen plastischen Verzierungen. Glasierte Keramik entstand unter chinesischem Einfluss in der Nara-Zeit (8. Jht.). Fortschritte in der Entwicklung japanischer Keramik gab es zunächst nicht, weil die höfischen Kreise Lackgerät sowie importierte chinesische Keramik bevorzugten. Die Keramik der Kamakura-Zeit (1192-1333) unterlag immer noch chinesischem Einfluss, und erst von der Ashikaga-Zeit (Muromachi-Zeit 14.-16-Jht.) an entwickelt sich allmählich eine eigene spezifische Chanoyu-Keramik. Hierbei war jedoch der Einfluss koreanischer Volkskeramik von großer Bedeutung. Ermöglicht wurde er durch die Umsiedlung zahlreicher Töpfer aus Korea im Zusammenhang mit dem Korea-Feldzug (1592-1598) des Machthabers Toyotomi Hideyoshi. So geschah es, dass die japanische Teekeramik in dieser Zeit ihre klassische Vollendung erfuhr.  

(Informationen anlässlich des Ausstellungsbesuchs „Chawan“ im MAK in Wien Januar 2010 
Zusammengestellt von S. Rauscher)