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Lotusfeld in Akita

Tuschmalerei

Tuschmalerei suiboku-ga oder auch sumi-e –  kam als eine der vielen von China übernommenen Kunstformen im 14. Jahrhundert nach Japan, wo sie sich neben dem japanischen Malstil des Yamato-e (= Bild aus Yamato, d.h. dem japanischen Kernland um die alte Hauptstadt Kyoto) etablierte. Die Reduzierung auf das Wesentliche im Geiste des Zen-Buddhismus ist das besondere Merkmal der meisten in lavierender Art gemalten Tuschbilder. Das Aussparen von Details im Landschaftsraum suggeriert Distanz und schafft Atmosphäre. Dem ostasiatischen Maler ist auch ein kleines Lebewesen wie z.B. eine einzelne Garnele nicht zu gering, um Gegenstand der Anschauung und Darstellung zu werden; denn auch im Kleinen ist „Wesen“ oder „Sein“.

Bis ins 19. Jahrhundert kamen weitere chinesische Einflüsse nach Japan und ließen neue Schulen entstehen. Es ist aber wichtig zu betonen, dass die japanischen Maler anfangs zwar kopierten – das Kopieren der Malerei des Meisters durch den Schüler war auch in China üblich – aber mit der Zeit eine gewisse Eigenständigkeit und eine dem japanischen ästhetischen Empfinden entsprechende Art entwickelten. So ist zu erklären, dass die Tuschmalerei in Japan im 20. Jahrhundert unterschiedliche Stile aufweist.

Der Maler Koyama Se’i-un, der mit einigen Werken in der Passauer Ausstellung „Fläche und Raum“ im Sommer 2000 vorgestellt wurde, malte stark reduzierte Naturbilder im Geist des Zen, aber auch Landschaftsimpressionen, die an die eher individualistische Art der Literatenmalerei (bunjin-ga oder auch nanga, südliche Malerei genannt) erinnern. In vielen Motiven aus der Natur liegt eine tiefe Symbolik, die großenteils auch ihren Ursprung in China hat. Kiefer, Bambus und Pflaumenbaum sind Symbole für Beständigkeit und Kraft. Kamelien- und Kirschblüte dagegen gelten als Inbegriff von Schönheit und Vergänglichkeit.

Der Mond erscheint häufig in der ostasiatischen Kunst, nicht nur in der Malerei, sondern auch in der angewandten Kunst. Ursprünglich war er Mittelpunkt eines Staatskultes in China, von dem sich aber die ästhetische Würdigung des Vollmondes sehr bald emanzipierte. In geselliger Runde oder in der Einsamkeit betrachtete man den Mond, und im Sinne einer Synästhesie lauschte man gern dem melancholischen Klang einer Flöte und trank Wein. Besondere Bedeutung kommt dem Mond im Buddhismus zu: als Symbol der Erleuchtung Vor allem in dieser Eigenschaft wurde er zum wesentlichen  Element zahlreicher ostasiatischer Tuschbilder. In Japan wurde auch der Fuji, dessen Name die Feuergottheit bezeichnet, zum Motiv. Dieser Berg genießt seit Urzeiten göttliche Verehrung. In Gedichten wurde er besungen, und viele Künstler malten seinen erhabenen Anblick.