DJG

Lotusfeld in Akita

Film „Ode an die Freude“ (24./25.11.)

Zum Abschluss des Jubiläumsprogramms gab es zwei Vorstellungen des japanischen Films „Ode an die Freude“ (2006 Originaltitel: Baruto no gakuen), der in Passau schon 2008 mit Erfolg gezeigt worden war. Hauptdarsteller sind Ken Matsudaira, einer der populärsten japanischen Schauspieler, und Bruno Ganz, was die große Bedeutung beweist, die diese Geschichte für die Japaner hat. Durch den Film wird sie auch dem deutschen Zuschauer in sehr berührender Weise nahegebracht.

Die Handlung des Films basiert auf wahren Begebenheiten: im November 1914 geraten im damaligen deutschen Pachtgebiet Tsingtao (Qingdao) ungefähr 4700 deutsche Soldaten in japanische Gefangenschaft, die sie ab 1917 im Kriegsgefangenenlager Bando (bei Naruto/Tokushima)) verbringen. Der dortige Lagerkommandant behandelt sie sehr menschlich, gerät dadurch aber in Konflikt mit der Regierung und muss unter erschwerten finanziellen Bedingungen das Auskommen der Lagerinsassen sichern.
Die Nachricht von der endgültigen Niederlage Deutschlands und dem Kriegsende im November 1918 erfüllt die deutschen Gefangenen zunächst mit Verzweiflung. Doch später, mit der Aussicht auf die Abreise in die Heimat, organisieren die nun Freigelassenen als Zeichen des Dankes gegenüber den Japanern ein Konzert, bei dem zum ersten Mal Beethovens Neunte erklingt – die Komposition, die schon bald zum beliebtesten Werk europäischer Musik in Japan wird.

Für die Filmaufnahmen wurde das Gefangenenlager Bando mit Gesamtbaukosten von ca. 2,14 Mio. Euro originalgetreu nachgebaut. Damit ergänzt es als Touristenattraktion das „Deutsche Haus“, in dem die Geschichte der Deutschen an diesem Ort dokumentiert wird. Bei seinem offiziellen Japan-Besuch anlässlich des 150. Jubiläums der deutsch-japanischen Beziehungen 2011 besichtigte Bundespräsident Christian Wulff auch diese Gedenkstätte.

Vortrag „Zen – weil wir Menschen sind“ (9.11.)

„Zen – weil wir Menschen sind“ lautet der Titel eines Buches, das der Zen-Meister Fumon S. Nakagawa, Leiter des Zen-Zentrums Eisenbuch, geschrieben hat. In Passau hielt er einen Vortrag zu demselben Thema und fand großes Interesse. Für manch einen waren die gebotenen Informationen neu. Sie erfuhren, dass die praktische Übung des Zen, ob im Gehen oder im Sitzen (zazen)vollzogen, den Menschen zu sich selbst führen soll, zu innerer Ruhe und Ausgeglichenheit. Der Referent wies auf den indisch-chinesischen Ursprung dieser Form der Versenkung hin und auf den Umstand, dass die japanische Kultur überhaupt in den meisten ihrer Erscheinungen auf dem Umweg über Korea von China geprägt wurde, dass aber fast immer etwas Eigenes dabei entstand. Zur Einstimmung spielte er auf der Bambusflöte Shakuhachi und trug buddhistischen Gesang vor. Seine Ausführungen jedoch bezogen sich nicht auf buddhistische Lehren.

Das „Ich“ mit seinen Wünschen, Quelle von Unzufriedenheit, Unruhe und Hektik, soll überwunden werden. Bei allen Übungen spielt der Atem eine entscheidende Rolle, seine Kontrolle steht am Anfang allen Bemühens. Die Flut der Gedanken, die immer auf den Menschen einströmen, soll ausgeschaltet werden. In der Ruhe des Sitzens soll der Mensch sich auf das Da-Sein konzentrieren. Im Alltag bedeutet das, dass er sein jeweiliges Tun annimmt, die Dinge so, wie sie sind, folglich auch den anderen Menschen, wie er ist. Respekt und Achtsamkeit sind Schlüsselwörter, ebenso der Begriff der Würde: diese eignet allen Menschen und Dingen.

Vortrag „Die Rezeption europäischer Musik in Japan“ (27.10.)

Der Vortrag der Musikwissenschaftlerin Dr. Kumi Konaga bot eine Fülle von Informationen; hier nur einige Beispiele: Als Symbol für die Rezeption europäischer Musik in Japan kann man Beethovens 9. Symphonie bezeichnen: seit bald hundert Jahren ist sie dort fester Bestandteil des Musiklebens. Die erste Begegnung der Japaner mit westlicher Musik fand im 16. Jahrhundert statt, als portugiesische und spanische Jesuiten im Rahmen ihrer Mission geistliche Lieder verbreiteten. Ein nennenswerter Einfluss auf die japanische Musik ist zu dieser Zeit jedoch nicht nachzuweisen. Möglicherweise wirkte im 17. Jahrhundert europäische Cembalomusik auf Kompositionen für Koto; denn die Verbindung Japans nach Europa war nach der völligen Abschließung des Landes (1639) nicht abgerissen: über die Holländer, die weiterhin geduldet waren, unterhielt Japan Handelsbeziehungen zum Westen.

Mit der 1853 erzwungenen Öffnung Japans änderte sich die Situation. Die Regierung sah die Notwendigkeit, das Land zu modernisieren, um nicht in westlicher Abhängigkeit gehalten zu werden. So wurde Japan offen für viele Einflüsse. Man erkannte den Wert musikalischer Erziehung für die Stärkung des Nationalgefühls, weshalb aus dem Ausland übernommene sowie im westlichen Stil komponierte Lieder Eingang in die Schulbücher fanden. Auch europäische Instrumente wurden, zusammen mit der klassischen Musik, heimisch in Japan.

Sehr fremd allerdings wirkten auf die Japaner anfangs die großen Blechbläserensemble, mit denen in Amerika oder anderswo Märsche u. ä. gespielt wurden. Aber auch diese Sitte wurde übernommen. Als Lehrer für Militärmusik wirkte in Japan viele Jahre der Deutsche Franz Eckert. Er war auch derjenige, der die neugeschaffene japanische Nationalhymne ins europäische Tonsystem übertrug, damit sie bei feierlichen Anlässen von Militärmusikern gespielt werden konnte.

Eröffnungskonzert „Young Classic Europe“ (14.10.)

Die junge Geigerin Mayu Kishima eröffnete zusammen mit der Niederbayerischen Philharmonie unter GMD Basil Coleman das diesjährige, inzwischen als „Young Classic Europe“ bekannte, Europäische Jugendmusikfestival. Sie spielte Beethovens Violinkonzert und entfachte damit Begeisterungsstürme im bis auf den letzten Platz besetzten Rathaussaal. Da das Konzert den seit 150 Jahren bestehenden deutsch-japanischen Beziehungen gewidmet war, konnte man nicht nur eine japanische Solistin hören, sondern auch ein japanisches Werk: die „Musica per orchestra sinfonica“ von Yasushi Akutagawa (1925–1989), die mit ihrer besonderen Rhythmik und Dynamik die Zuhörer in ihren Bann zog. In der Presse wurde das Konzert, das mit der 4. Symphonie von Tschaikowsky ausklang, beinahe hymnisch gelobt. Nach dem Konzert – das auch von der DJG Passau unterstützt worden war – ließ sich die Künstlerin neben dem „Jubiläumsbaum“ der Stadtgärtnerei fotografieren.

Vorstellung der neuen „Passauer Poesie“ (23.9.)

"Passauer Poesie" Band 8: Titelbild
Koyama Se’i-un: Bauernhaus

Zum achten Mal wurde ein Bändchen der Reihe „Passauer Poesie“ der Edition Töpfl präsentiert. Neben DJG-Mitgliedern und anderen Japan-Freunden kamen auch Zuhörer, die sich seit Jahren für diese Poesie-Veröffentlichungen begeistern. In diesem Jahr hatten die Herausgeber sich auf Haiku konzentriert und passend zum Jubiläum japanische Haiku aus Passaus Partnerstadt Akita – von Andô Wafû (1866-1936) und Ishii Rogetsu (1873-1928) – mit einbezogen. Diese waren von Sibylle Rauscher (1. Vorsitzende der DJG) ins Deutsche, die deutschen Beiträge (von Rosa-Maria Bächer, Reiner Kunze, Sibylle Rauscher, Rupert Schützbach und Alfred Schwarzmeier) von Yoriko Czerny-Kawai (3. Vorsitzende der DJG) ins Japanische übersetzt worden.

Der Reiz des Bändchens rührt auch von den zahlreichen Abbildungen her. Sie zeigen Holzschnitte von Konrad Schmid, Zeichnungen von Erik Limmer, Farbholzschnitte von Katsuhira Tokushi (1904-1970 Akita), Tuschebilder von Koyama Se’i-un (1897-1989 Tokyo) und eine Kalligraphie von Yasuda Nobuko. So ist diese Publikation ein Beleg für die lebendige Städtepartnerschaft und ein schöner Beitrag zum Jubiläum der deutsch-japanischen Beziehungen.

Die musikalische Umrahmung mit japanischen Liedern sowie einer modernen japanischen Komposition von R. Hirose für Blockflöte zauberte eine besondere Stimmung – erinnerte der tiefe Klang doch von ferne an den Ton der Shakuhachi.

Ausstellung „Faszination Japan Inspiration“ (1.–24.7.)

Ausstellung in der Anna-Kapelle | Bild: Susanne Gibis
Ausstellung in der Anna-Kapelle | Bild: Susanne Gibis
Ausstellung in der Anna-Kapelle | Bild: Susanne Gibis
Ausstellung in der Anna-Kapelle | Bild: Susanne Gibis
Plakat Bielefeld 2011
Plakat Passau 2011

Die Anna-Kapelle und der zugehörige Kreuzgang, Ausstellungsraum des Kunstvereins Passau, bieten mit ihren weißen Wänden und den gotischen Gewölben einen besonders schönen Rahmen für japanbezogene Ausstellungen. Schon zuvor (2000) hatte die DJG Passau dort Kalligraphie, Tuschmalerei und Skulpturen präsentiert, und im Jahr 2007 die Lithographien von Higashiyama Kaii (aus dem Völkerkunde-Museum München) zusammen mit Skulpturen von Kato Kunihiko (Fürth).

Die Ausstellung FASZINATION JAPAN INSPIRATION, im Jahr 2008 von der DJG Passau zu ihrem 25. Jubiläum konzipiert, konnte nun in etwas veränderter Zusammensetzung am 30. Juni eröffnet werden, als ein besonders sinnvoller Beitrag zur Feier des Jubiläums deutsch-japanischer Freundschaft; denn in den Exponaten kommt die Begeisterung westlicher Künstler für japanische Kunst und Kultur zum Ausdruck. Erstaunlich ist die Vielfalt der Inspirationsquellen und der angewandten künstlerischen Mittel und Techniken. In der Gewißheit, dass in den von der DJG organisierten Ausstellungen immer etwas Besonderes zu sehen ist, hatten sich zur Eröffnung neben zahlreichen beteiligten Künstlern auch viele Kunstinteressierte eingefunden.

Die Anna-Kapelle ist die vierte Station der Ausstellung: 2009 wurde sie drei Monate lang im Siebold-Museum Würzburg gezeigt, und in diesem Jubiläumsjahr 2011 war sie – durch Vermittlung der DJG Bielefeld – drei Wochen im Rahmen der Japan-Wochen der Universität Bielefeld zu sehen.

 

„An den Himmel gerichtet“ – Japanische Trommler des Ensembles Masa-Daiko (23.6.)

Masa-Daiko am 23.6. in Passau (Bild: Burkert)
Masa-Daiko am 23.6. in Passau (Bild: Burkert)
Masa-Daiko am 23.6. in Passau (Bild: Burkert)
Masa-Daiko am 23.6. in Passau (Bild: Burkert)
Masa-Daiko am 23.6. in Passau (Bild: Burkert)
Masa-Daiko am 23.6. in Passau (Bild: Burkert)
Masa-Daiko am 23.6. in Passau (Bild: Burkert)
Deutsch-japanischer "Flaggenbaum" der Stadtgärtnerei Passau (Bild: Burkert)

Mit dem Auftritt des Ensembles MASA-DAIKO erfüllte sich die Deutsch-Japanische Gesellschaft einen lange gehegten Wunsch: japanische Trommler nach Passau einzuladen. Durch die Zusammenarbeit mit den Festspielen „Europäische Wochen“ war es möglich, einen noch größeren Kreis von Zuschauern zu erreichen. Als „Ouvertüre im Freien“ zu den Festspielen gedacht, mußte mit Rücksicht auf das Wetter die Veranstaltung in einer Halle stattfinden, was ihrer Wirkung und ihrem Erfolg aber keinen Abbruch tat: sie war so gut wie ausverkauft.

In dem Ensemble, das von Masakazu Nishimine, einem absoluten Profi, geleitet wird, wirken oft auch Deutsche mit. Sie haben bei dem japanischen Meister über viele Jahre gelernt, bevor sie für würdig erachtet werden, an Auftritten teilzunehmen. MASA-DAIKO tritt auch in rein japanischer Besetzung auf. Aber gerade im Jubiläumsjahr der deutsch-japanischen Beziehungen war es schön  und passte sehr gut, dass zwei junge deutsche Trommler und eine Trommlerin mit auf der Bühne standen!

Mit dem Titel „Das perfekte Vorspiel“ war die Besprechung in der lokalen Zeitung (Passauer Neue Presse) überschrieben. Perfekt war in der Tat das Zusammenspiel, und das ohne Dirigenten und ohne Blickkontakt! Kleinere und größere Trommeln, unterschiedlich in der Klangfarbe, wurden geschlagen, in einer rhythmischen Vielfalt und mit einer Vehemenz, Kraft und Ausdauer, dass es dem Publikum fast den Atem verschlug. Nicht nur der Ton, auch der Anblick war faszinierend: die wirbelnden Holzschlägel, die kraftvollen Armbewegungen, der Ausdruck höchster Konzentration und Versunkenheit, die Choreographie des Ganzen, die im Einsatz der großen O-Daiko gipfelte. Vor diesem riesigen Instrument, das wie ein monochromes Altarbild im Bühnenhintergrund aufscheint, steht der Trommler und versetzt die Membran in gewaltige Schwingungen. Eine athletische Leistung! Aber zugleich liegt etwas Spirituelles darin: die Trommel ist ein uraltes Instrument, das bei Ritualen, besonders im Shintoismus, eine wichtige Funktion hatte (und noch hat).

Ein Haiku von Shiki (1867-1912) lautet:

Gebet um Regen –
damit zum Himmel es tönt,
der Schlag der Trommel

So war dieser fulminante Auftakt zu den 59. „Festspielen Europäische Wochen Passau“, wie der Titel sagt, „An den Himmel gerichtet“, passend zum Motto „A Dieu“. Er war Ein Beitrag zum Jubiläum „150 Jahre Freundschaft Deutschland-Japan“, gewidmet den Opfern der Natur- und Umweltkatastrophe dieses Jahres  in Japan. (s. Programm der EW)

Vortrag „Heilige Räume, Zeiten und Orte in Japan“ (27.6.)

Torii des Itsukushima-Schreins, Miyajima (Bild: S. Rauscher)

Das Motto der diesjährigen, 59. „Festspiele Europäische Wochen“ lautet „A Dieu – In Zeiten spiritueller Unruhe“. Am 1. Abend der (alljährlich gebotenen) Vortragsreihe fand der Vortrag von Prof. Dr. Peter Pörtner über „Heilige Räume, Zeiten und Orte in Japan“ als Beitrag zum Jubiläum „150 Jahre Freundschaft Deutschland – Japan“ statt. Dank dieser Einbettung in das Gesamtprogramm der „Europäischen Wochen“ fand sich eine überaus zahlreiche Zuhörerschaft ein, die nach dem Vortrag viele Fragen stellte. Für manch einen waren die Informationen über den Shintoismus, sein Verhältnis zum Buddhismus, über besondere Stätten und Rituale in Japan neu. Und wieder einmal stand Japan im Focus – jenseits aller Katastrophen.

Das Foto zeigt das berühmte Torii (=Tor zu einem shintoistischen Schrein) des Itsukushima-Schreins auf der Insel von Miyajima in der japanischen Inlandsee.

Vortrag „Die preußische Ostasienmission 1860/61 – 150 Jahre deutsch-japanische Beziehungen“ (8.6.)

Porträt Graf Fritz zu Eulenburg
Abbildung des Expeditionsschiffes "Arkona"

Es war die Kernveranstaltung zum Jubiläumsjahr „150 Jahre Freundschaft Deutschland-Japan“: der Vortrag des Japanologen Prof. Dr. Peter Pantzer (Universität Bonn). Als Historiker und ausgewiesener Kenner der Materie referierte er über die politische „Ostasienmission“ des Grafen Fritz zu Eulenburg im Dienste Preußens. In mehreren Etappen über Land und Meer reiste dieser 1860 bis Singapur, wo er schließlich auf die „Arkona“ umstieg. Vier Schiffe sollten in Japan „Flagge zeigen“ und für Preußen und die interessierten Hansestädte den Zugang zu dem so lange verschlossenen Land erzwingen. Mit Handelsschiffen hätte man keinen Eindruck gemacht, eine Kriegsflotte besaß Preußen aber noch nicht, weshalb man Schiffe aus England bezog. Von den vier Schiffen mußte eines, reparaturbedürftig, unterwegs in einem Hafen zurückgelassen werden, ein weiteres sank im Taifun, so dass nur zwei bis an das ferne Inselreich gelangten. Nach vier Monaten zäher Verhandlungen mit der japanischen Regierung kam es am 24. Januar 1861 zur Unterzeichnung eines Freundschafts-, Schiffahrts- und Handelsvertrages.

Für Preußen ging es vor allem um sein Prestige: schon vor ihm hatten nach den USA die europäischen Mächte England, Frankreich und Russland ähnliche Verträge mit Japan geschlossen. Allerdings sollte es noch Jahre dauern, bis der Vertrag genutzt wurde: bis zur Reichsgründung 1871. Von da an war er natürlich für ganz Deutschland gültig. Für Japan bedeutete er zunächst – wie auch die anderen „ungleichen Verträge“ mit westlichen Mächten – eine Bevormundung. Ausländer durften sich niederlassen und waren „exterritorial“, ein Status, der heute nur Diplomaten zusteht. Die Zölle wurden von den fremden Mächten festgelegt. Japans Politik war daher im späteren 19. Jahrhundert darauf ausgerichtet, eine Revision der „ungleichen Verträge“ zu erreichen, vor allem aber auch, das Land zu modernisieren.

Über die „Ostasienmission“ wurde damals ausführlich in der Presse berichtet, und es erschienen persönliche Erlebnisschilderungen, sogar in Reimen. Zeichner und Maler verewigten Menschen und Orte. Zusammen mit den sehr lebendig und beinahe im Plauderton vorgetragenen Ausführungen des Referenten vermittelten diese Bilder einen Eindruck von den folgenreichen Ereignissen vor 150 Jahren.

Vortrag „Siebold und die Öffnung Japans nach Westen“ (26.5.)

Siebolds Sohn Alexander mit Samurai
Einzug der Delegation in Edo (1860)

In seinem Vortrag „Siebold und die Öffnung Japans nach Westen“ referierte Herr Klein-Langner, Leiter des Siebold-Museums in Würzburg, über die Bemühungen Siebolds, Japan behutsam zur Öffnung zu bewegen, von seiner „Internationalität“, von den Lebensläufen seiner Söhne, die ebenfalls Vermittler zwischen Japan und Deutschland waren und in ihrer Existenz echte Europäer. In der Aussprache wurde unter anderen die Frage erörtert, warum Siebold in Japan viel bekannter ist als in Deutschland, wo er u.a. im Schatten Alexanders von Humboldt steht. Eine schlüssige Antwort konnte nicht gefunden werden, doch wurde vielen zum ersten Mal – oder auch aufs Neue – deutlich, dass Philipp Franz von Siebold mit seinem Wirken zu den herausragenden Persönlichkeiten in der Geschichte der deutsch-japanischen Beziehungen gehört.

 

Beginn der Sommerpflanzung der Stadtgärtnerei Passau mit Schwerpunkt Japan (23.5.)

Bei strahlendem Wetter versammelten sich am 23. Mai Mitglieder der Passauer DJG und interessierte Passauer Bürger, um in Anwesenheit des Oberbürgermeisters Jürgen Dupper den Themengarten einzuweihen, den die Stadtgärtnerei anlässlich des Jubiläums „150 Jahre Freundschaft Deutschland-Japan“ an der Innpromenade angelegt hatte. Sie hatte sich dazu einiges einfallen lassen. So zogen nicht nur die schönen Exemplare von Blauregen (Glyzinie fuji) oder Hosta (gibôshi), die hier und da gesetzten Steine und ein Ginkgobaum die Aufmerksamkeit auf sich, sondern eine mit Bambusstämmen und –stäben gestaltete Laube. Den ganzen Sommer kann diese Anlage die Spaziergänger, unter denen sich auch immer Touristen befinden, erfreuen. Und wer wissen möchte, warum in diesem Jahr eine ganz besondere Bepflanzung die Innpromenade verschönert, der kann sich auf einer eigens angefertigten Texttafel über den Anlass informieren.

Film „Der rote Punkt“ (12.5.)

Als „Zarte, unbedingt sehenswerte Kino-Poesie“ bezeichnete die Süddeutsche Zeitung den Film „Der rote Punkt“, der den Publikumspreis 2009 beim Festival des deutschen Films  erhielt. Er erzählt die Geschichte einer jungen Japanerin namens Aki, die durch ihre Träume auf die Spur frühester Erinnerungen gezogen wird. Der rote Punkt auf einer Landkarte Bayerns, die ihr in die Hände fällt, markiert angeblich den Ort, an dem ihre Familie vor vielen Jahren verunglückte, während sie überlebte. Studienabschluss, Jobsuche – nichts kann sie mehr halten: sie muss nach Deutschland fliegen, um den Unfallort zu suchen, an dem sich ein Gedenkstein befinden soll. Obwohl sie kaum Deutsch spricht, gelingt es ihr, sich durchzufragen, bei Menschen unterzukommen, die ihr dann auch behilflich sind. Vor allem der gleichaltrige Sohn des Hauses, ein Raser auf dem Motorrad, begleitet Aki bei ihrer Suche. Allerdings führt ihr Aufenthalt dazu, dass sich die Spannungen in der Gastfamilie verstärken – im Schatten einer verdrängten Vergangenheit. Doch werden schließlich Verdrängung und Entzweiung überwunden und Aki findet mit der Entdeckung des Steins und damit der Unfallstelle ihre innere Ruhe.

Mehr: www.derrotepunkt-derfilm.de

Ausstellung „Der fernste Ort. Das Bild Japans in europäischen Drucken des 17. bis 19. Jahrhunderts“

Tempel bei Kyoto (Miyako), aus: Engelbert Kaempfer, Geschichte Japans (1727)
Hachiman-Tempel in Shimoda, aus: M.C. Perry, Narrative of the expedition of an American Squadron to the China Seas and Japan (1856)

Die Ausstellung schlägt einen Bogen von den Christianisierungsversuchen der Europäer über ihr Interesse für Geographie und Botanik Japans, das in der Zeit der Abschottung des Landes nur über die Holländer zu befriedigen war, bis hin zu den Bemühungen um Öffnung im 19. Jahrhundert, die weltlichen Interessen entsprangen. An Missionierung dachte man (zunächst) nicht mehr.

*

Das älteste Exponat, „De Christianis Apud Iaponios Triumphis“ von Nicolas Trigault (1623) enthält einen Bericht über die Christenverfolgungen der Tokugawa-Zeit und einen der ersten umfassenden Berichte über Japan. Aufgeschlagen ist die Doppelseite mit einem Kupferstich und einem Text, in dem es heißt septendecim capite truncantur. Diese siebzehn Märtyrer werden mit vollem Namen und Taufnamen wie Andreas, Cosmas, Michael, Thomas u.a. genannt: so heißt zum Beispiel einer von ihnen Ioannes Nacamúra Sosuqué. Das Buch stammt aus der alten Bischöflichen Bibliothek, in welcher die örtliche Jesuitenbibliothek nach dem Verbot des Ordens im späteren 18. Jahrhundert aufgegangen war, und stellt somit einen Bezug zur Passauer Geschichte her.

Aus dem Jahr 1679 stammt „Die gantze Erdkugel, bestehend in den vier bekannten Theilen der Welt“ von Sanson d’Abbéville. Man sieht eine Karte der japanischen Inseln und einen Text über Das Land von Jesso (Jedzo), in dem die nördliche Insel Hokkaido so beschrieben wird: Das Land ist schlecht bewohnet… und es gibt alda viel Silber-Gruben(…) Sie treiben einige Handelschafft mit Aquita, welches(…) Vermutlich ist dies die früheste Erwähnung von Passaus Partnerstadt Akita in einem europäischen Textdokument.

Eberhard Werner Happel berichtet im ersten Teil seiner „Wunderbaren Welt Cosmographia“ (1708) über die frühe Begegnung Japans mit dem Westen: Die Portugiesen handelten vor einigen Jahren noch starck hier/ aber seitdem sie sich allzu viel um die Religion bekümmerten/wurden sie und alle ihre Bekehrten angegriffen/also/daß seit 1614 biß 1636 (in welchem Jahre der Rest weder wieder abgefallen/(deren doch die Wenigsten)/ oder durch eine grausame Marter hingerichtet worden. Seithero hat man den Christlichen Nationen die Fahrt ins Land verbotten/ aber die Holländer nennen sich keine Christen/ sondern Holänder/ und in solchem Namen führen sie annoch den Handel daselbst. Dann das Land ist reich an Salpeter, Silber und Kupffer.  Über Hokkaido Das Land Jesso heißt es: man weiß aber noch nicht, wie weit es sich nach Norden erstrecke/ noch ob es eine Insel /oder vestes Land sey.

Im 1719 erschienenen „Atlas Historique“ von Henri Châtelain sind auf einer großen Doppelseite Kupferstiche zu sehen, die z.B. ein Martyrium zeigen: Supplice qu’on fit souffrir aux Chrétiens, oder die Niederlassung der Holländer in Nagasaki: Loge des Hollandais à Nanguesague, dazu kurze Texte De la ville de Meaco und De la ville de Yedo, also über Miyako, die Hauptstadt Kyoto, und Edo, das spätere Tokyo. Die „Neuere Geschichte der Chinesen, Japaner, Indianer“ von François-Marie de Marsy (1756) behandelt die Frage, ob es dem Japan-Reiche vorteilhaft sey, auf eine solche Art, wie heutiges Tages, den Fremden verschlossen zu seyn, so dass kein Volk in der Welt die Erlaubniß hat, darinn anzulanden, und seine eigenen Untertanen nicht ausser Landes gehen dürfen.

Aus Engelbert Kaempfers „Geschichte Japans“ (London 1727) sind einzelne Blätter ausgestellt. Sie zeigen Tempelbauten, darunter einen Sanmen Sansin Sanbiak Sansiu Santai Templum 33333 Idolorum. Es handelt sich offensichtlich um den berühmten Sanjûsangendo in Kyoto, wofür auch der klein abgebildete Bogenschütze spricht. Auf weiteren Tafeln sind Pflanzen abgebildet, die für den Europäer von exotischem Reiz waren, z.B. Kadsura, ein später nach Europa eingeführter Baum.

Von den Briefen des Franciscus Xaverius sind zwei Ausgaben präsent: eine aus Linz (1753) und eine aus Wien (1767), beide im Besitz der Bischöflichen Bibliothek. Briefe aus Japan aus der Zeit von 1548 bis 1580 erschienen 1795 bis 1798 in drei Bänden als Teil eines größeren Werkes: „Die Missionsgeschichte späterer Zeiten, oder Gesammelte Briefe der katholischen Missionare aus allen Teilen der Welt.“ Kupferstiche zeigen u.a. die Taufe des Königs von Bungo (gemeint ist ein Daimyô, d.h. Fürst auf Kyushu) oder Die Japanesischen Gesandten vor Seiner Päpstlichen Heiligkeit Gregorius XIII. (s. auch den Bericht zum Vortrag „Das christl. Jahrhundert“)

Schon im Jahr 1811 erschienen in Berlin Adam Johann von Krusensterns Aufzeichnungen über seine „Reise um die Welt in den Jahren 1803, 1804, 1805 und 1806“, die er auf Befehl Seiner Kaiserlichen Majestät Alexanders des Ersten auf den Schiffen Nadeshda und Newa unternommen hatte. Die zwei Bände sind bescheiden im Vergleich zur großformatigen Ausgabe (Leihgabe der Staatsbibliothek München), die 1814 in Sankt Petersburg erschien und Kupferstiche wie eine doppelseitige japanische Landschaft mit einem prächtigen Fischfalken enthält. Die Ansicht eines japanischen Wachhauses zeigt mehrere Männer, von denen einige die schmale japanische Pfeife rauchen. In Kopien sind auch „Nationalphysiognomien aus Japan“ oder Nationaltrachten zu sehen.

Die zweibändige Schilderung von Wilhelm Heines „Reise um die Erde nach Japan an Bord der Expeditions-Escadre unter Commodore M.C. Perry in den Jahren 1853, 1854 und 1855“ erschien 1856 in Leipzig und New York. Dass das Interesse an Japan groß war, belegt auch eine Publikation aus Karlsruhe aus dem Jahr 1860: „Das Kaiserreich Japan, nach den besten vorhandenen Quellen geschildert von einem Vereine Gelehrter“. Die aufgeschlagene Seite zeigt in einer kolorierten Aquatinta das Bild von Dolmetschern des 1ten und 2ten Rangs.  Der Text zitiert aus den „Times vom 2. Nov. 1858“:  Jede Hütte, jeder Tempel und jedes Theehaus dieser großen Stadt ist von geschmackvollst angelegten Gärten umgeben. Oft sind die schönsten Punkte dieser herrlichen Gegend hierzu ausgewählt. Ein langer Ritt wird oft durch eine romantische Scene belohnt, indem ein Theehaus malerisch über einen Wasserfall gespannt ist, oder das Schnitzwerk eines Tempels aus Cedernhainen hervortritt. Der von der Mittagshitze erschöpfte Reisende ist stets gewiß, Ruhe und Erfrischung zu finden; fast alle Paar Schritte hat er Gelegenheit, in einem solchen Theehause auf den reinlichsten und weichsten Matten auszuruhen, den angenehm duftenden Thee zu schlürfen und den wohlriechenden Tabak Japans zu rauchen. Wahrscheinlich ist mit der großen Stadt Kyoto gemeint.

Perry’s eigener Bericht „Narrative of the expedition of an American Squadron to the China Seas and Japan performed in the years 1852, 1853, and 1854” wurde in zwei Bänden in New York (1856) publiziert. Die zahlreichen Abbildungen spiegeln das Interesse der Ausländer für das exotisch Neue, vielleicht auch eine gewisse Herablassung dem Gastland gegenüber, das man nun endlich zur Öffnung gezwungen hatte. Man sieht Tempel, die Japanese Women from Simoda, ein Public Bath at Shimoda, einen Priest in full dress, Ringkämper in Yokuhama, die Übergabe amerikanischer Geschenke und verschiedene andere Szenen.  Beim Anblick des Dinner given to the Japanese Commissioners on board USSF Powhatan mit der Musiktribüne im Hintergrund, auf der dreifach die Tuba vertreten ist, kommt einem unwillkürlich der Gedanke, dass diese Zeremonie wie so vieles andere den Japanern etwas plump erschienen sein muss… Aber sie mussten sich arrangieren mit denen, die für sie Eindringlinge waren und die nun die Gewässer rund ums Archipel zu kontrollieren gewillt waren. Kaum etwas dokumentiert diesen Anspruch mehr als die große Karte der Bay of Yedo surveyed by order of Commodore M.C. Perry…

(S. Rauscher)

Vortrag vom 14.4. – "Das christliche Jahrhundert"

Das „christliche Jahrhundert“ in Japan begann mit der Ankunft des spanischen Jesuiten Francisco de Xavier und seiner sieben Begleiter im Jahre 1549. Die Bemühungen um Christianisierung des Landes wurden zunächst geduldet, besonders von Fürsten (daimyô) der Insel Kyûshû, deren Motive durchaus weltlicher Art waren. Sie erhofften sich durch die Kontakte mit Europa und den Handel mit dem Westen, besonders Portugal, eine Stärkung ihrer Position in unruhigen Zeiten: es herrschte Bürgerkrieg in Japan. Diese Verquickung von Religion und Machtpolitik, von inneren Unruhen und äußeren Einflüssen, war schließlich die Ursache für das Scheitern aller Missionierungsversuche.

Die Phase weitgehend ungehinderter Ausbreitung des Christentums dauerte immerhin fast vierzig Jahre – bis Toyotomi Hideyoshi das erste offizielle Verbot erließ. In dieser Zeit berichteten die Jesuiten stolz von ihren Erfolgen, als deren Beweis sie getaufte japanische Knaben im Jahr 1582 auf eine Reise nach Europa mitnahmen, um diese dem Papst vorzustellen. In Japan waren die Jesuiten auch wissenschaftlich tätig, es entwickelten sich „christliche“ Literatur und Kunst. Aber die Lage der Christen in Japan war schwierig, hier und da wurden sie blutig verfolgt. Für Verwirrung sorgten das Auftauchen eines englischen Protestanten um die Jahrhundertwende und die Rivalität zwischen Jesuiten und nun ebenfalls in Japan missionierenden Franziskanern.

Nach Beendigung der inneren Machtkämpfe durch den Sieg der Tokugawa etablierten diese (ab1603) eine Zentralmacht, die darauf bedacht war, fremde Einflüsse und vor allem die Gefahr politischer Einflussnahme durch die Missionare abzuwehren. Im Jahre 1614 erließ der Shôgun Tokugawa Ieyasu ein Edikt, mit dem das Christentum endgültig verboten wurde. Verdächtige wurden zum ebumi gezwungen, d.h. sie sollten Christusbilder mit Füßen treten und so ihre religiöse Unbedenklichkeit beweisen. Zu den Maßnahmen gehörte auch der Entzug von Ländereien christlicher Daimyô, deren Untertanen dann das harte Regiment eines neuen Herrn ertragen mussten. Die so erzeugten oder verstärkten sozialen und politischen Spannungen entluden sich 1637/38 im Shimabara-Aufstand, der ein äußerst blutiges Ende fand. Danach wagten es nur noch wenige Familien, heimlich am christlichen Glauben festzuhalten.

Von 1639 an, mit der Ausweisung der Portugiesen – nach den Engländern und Spaniern – verfolgte die Regierung eine rigorose Politik der Abschottung. Japaner durften nicht mehr ins Ausland reisen, und die einzigen Europäer, die (neben Chinesen und Koreanern) Handel mit Japan treiben durften, waren die Holländer. Damit gab es über zweihundert Jahre immerhin ein Nadelöhr, durch das Kenntnisse und Waren aus dem fernen Westen nach Japan gelangten.

Als Zeugnisse dieser Epoche sind Schriften erhalten und Kunstwerke, von denen einige aufschlussreich sind mit ihrer Verschmelzung von buddhistischer Bildtradition und christlicher Symbolik: ein Christusbild mit den Gesichtszügen eines Buddha, oder die Darstellung Marias mit dem Kinde in Gestalt einer buddhistischen Kannonskulptur. Die weltliche Kunst brachte farbenprächtige Stellschirme hervor, auf deren Goldgrund Ausländer, darunter Geistliche, in ihrer für Japaner fremdartigen Kleidung in japanischem Ambiente dargestellt sind. Diese Kunst der „südlichen Barbaren“ (Namban) stellt eine Besonderheit in der japanischen Kunstgeschichte dar.

 

Vortrag vom 23.3. – "Räume entdecken"

Bambushaus in China (c) Kengo Kuma & Associates, Tokyo
Aufblasbares Teehaus (c) Kengo Kuma & Associates, Tokyo
Nezu Art Museum (c) Kengo Kuma & Associates, Tokyo

Zu Beginn der Abendveranstaltung wurde schweigend der Katastrophenopfer in Japan gedacht. Die täglich übermittelten Bilder und Nachrichten haben allgemein große Betroffenheit und Anteilnahme ausgelöst. So war es sehr willkommen, dass die Referentin, bevor sie ihren eigentlichen Vortrag begann, über die Lage in Tokyo berichtete. Sie zeigte Bilder von der Zerstörung durch das große Erdbeben, vom Alltag unter erschwerten Bedingungen, in dem die Menschen doch versuchen, ein gewisses Maß an Normalität aufrechtzuerhalten.

Als Projektarchitektin betreut Katinka Temme bei Kengo Kuma & Associates, Tokyo internationale Projekte. So stellte sie zum Beispiel ein Bambushaus in China (Bild l.o.) vor, das sich in die Berglandschaft einfügt, ein aufblasbares Teehaus (Bild r.o.), das in Frankfurt aufgestellt wurde, aber auch in Japan realisierte Entwürfe wie den Erweiterungsbau des Nezu Art Museum (Bild l.u.). Kuma baut Räume, die sich dem vorgefundenen Umfeld anzupassen suchen. So übernimmt er in einem Fall eine durch Sakralbauten vorgegebene Achse, woanders die Formensprache des bereits Vorhandenen oder dessen Proportionen. Doch findet er auch Neues, indem er z.B. zu feinen Lamellen geschnittenen Stein als Wandverkleidung verwendet. Er hat sich nicht auf einen bestimmten Baustoff festgelegt, verwendet Stein oder Holz. Und immer wieder durchdringt die japanische Bautradition der Verschränkung von Drinnen und Draußen seine Entwürfe. Darüberhinaus fasziniert ihn das Spiel von Licht und Schatten, das er einkalkuliert und damit der Architektur eine immaterielle Komponente verleiht.

Vortrag am 10.3. – „Hermann Roesler und die japanische Verfassung von 1889“

„Hermann Roesler und die japanische Verfassung von 1889“ – das klingt vielleicht nach einem trockenen juristischen Vortrag. Dennoch waren die meisten Plätze im Hörsaal besetzt, und es waren nicht nur Juristen, sondern auch sehr viele Japan-Interessierte gekommen. Die Referentin Dr. Anna Bartels-Ishikawa, die sich mit der Geschichte der „Meiji-Deutschen“ (das sind die Deutschen, die nach 1868 in Japan beratend oder lehrend tätig waren) befasst, schilderte die Karriere des aus Lauf bei Nürnberg gebürtigen Juristen und Staatswissenschaftlers Roesler (1834-1894). Dessen Interesse galt besonders den Bereichen Arbeit, Wirtschaft und Recht. Nach einer längeren Lehrtätigkeit an der Universität Rostock wurde Roesler Berater der japanischen Regierung. Diese Tätigkeit brachte es mit sich, dass er mit wichtigen Politikern der Meiji-Zeit wie Aoki Shuzo oder Ito Hirobumi zusammenarbeitete. Roeslers Briefen ist zu entnehmen, dass er ein eher zurückgezogenes Leben führte, fast nur mit Japanern Kontakt hatte, die er als gutherzig und höflich charakterisiert. Es finden sich Anmerkungen zum Klima, zur Bedrohung durch Taifune, Erdbeben und Feuersnot. Neben Briefen und anderen Quellen dienten der Referentin auch Photos zur Veranschaulichung des Themas.

Roesler entwarf ein japanisches Handelsgesetzbuch, er musste sich zu Fragen des Verwaltungsrechts und sogar zur Außenpolitik äußern. Von 1886 bis 1888 arbeitete er an der Entwicklung einer Verfassung, wobei er nicht der einzige ausländische Berater war: Japan wollte von möglichst vielen Seiten lernen. Dass Roeslers Vorschläge mit denen eines weiteren Deutschen, Albert Mosse, von den Japanern verglichen wurden, gefiel den beiden Herren nicht… Vorbilder fand man in verschiedenen Verfassungen, neben der preußischen oder auch kleinstaatlichen deutschen in der bayerischen. Die schließlich 1889 in Kraft getretene Verfassung war konservativ und orientierte sich keineswegs an der Reichsverfassung von 1871. So fußte z.B. das Wahlrecht auf dem Dreiklassenwahlrecht Preußens. Nach dieser Meiji-Verfassung war der Tenno (Kaiser) heilig und unverletzlich, als Souverän göttlich legitimiert, was mit dem Mythos seiner Abstammung zusammenhängt. Roesler hatte Bedenken gegen diesen Verfassungsartikel geäußert, konnte sich aber nicht durchsetzen. Bis zum 2. Weltkrieg war diese Verfassung gültig.

Lesung am 24.2. – „Von Nobelpreisträgern und anderen“

Die Lesung begann mit einer heiteren Kurzgeschichte von Akutagawa Ryunosuke: „Frauenkörper“ aus dem Jahr 1917, an die sich das philosophisch angehauchte „Frühlingslied“ von Susukida Kyukin (1924) anschloss. Danach trug der Schauspieler die „Erste Liebe“ von Ibuse Masuji vor, eine Erzählung in sachlich-ironischem Ton, in der es um Hoffnung und Desillusionierung geht. Längere Passagen aus „Schneeland“ (jap. „Yukiguni“), der 1937 erschienenen Novelle des Nobelpreisträgers Yasunari Kawabata, zogen mit ihren Schilderungen von Personen und Landschaft die Zuhörer in ihren Bann. Schwere Kost waren danach die Auszüge aus „Stolz der Toten“ (1958) von Oe Kenzaburo, dem zweiten japanischen Nobelpreisträger. Sein exzessiver Realismus stand in denkbarem Kontrast zu Kawabatas „Impressionismus“, aber auch zur Mischung von Wirklichkeit und Wunschtraum in „Heimlicher Handel“ (1982) von Tsushima Yuko. Die Erzählung „Der Bäckereiüberfall“ (1993) von Murakami Haruki setzte am Schluss noch einen heiteren Akzent. Zwischendurch gab es Anmerkungen zur modernen japanischen Literatur und kurze Musikeinspielungen. So hatten die Zuhörer die Möglichkeit, sich jeweils auf den nächsten Text einzustimmen.

Vortrag am 27.1. | „Gerechter unter den Völkern ...“

Der Vortrag über den japanischen Diplomaten Sugihara offenbarte eine höchst interessante Biographie, die gewiss Stoff für einen spannenden Film liefern könnte. Die Mandschurei und Russland waren neben Japan Stationen seines Lebens, bevor Sugihara als Vizekonsul in Kaunas(Litauen) sein Land vertrat. Im Jahr 1940 wurde Sugihara in eine dramatische politische Entwicklung hineingezogen: aus Polen, das 1939 von Deutschland überfallen worden war, flüchteten tausende von polnischen Juden in das von der Sowjetunion besetzte Baltikum. Sie hofften, von dort aus, nach Osten die Sowjetunion durchquerend, nach Japan zu gelangen, das aber auch nur als Durchgangsstation gedacht war. Für Japan benötigten sie ein Transitvisum, das die Regierung in Tokyo nicht genehmigen wollte. Als sich immer wieder und immer mehr Scharen von Flüchtlingen vor dem Konsulat drängten, konnte Sugihara nicht anders, als die lebensrettenden Visa auszustellen, unbürokratisch und eigenmächtig. Er handelte als Mensch für Menschen in größter Not und rettete dadurch im Verlauf einiger Monate über dreitausend Juden vor der drohenden Vernichtung.

Vielen ist diese Geschichte nicht bekannt. Deshalb war es der DJG Passau ein Anliegen, im Jahr, da die 150jährigen deutsch-japanischen Beziehungen gefeiert werden, auf Sugihara aufmerksamzumachen. Die humane Haltung und die Rettungsaktion Sugiharas wurde von Israel gewürdigt, das ihn in den Kreis der „Gerechten unter den Völkern“ aufnahm.

„Fernab vom militaristischen Kaiserreich gehört diese besondere Begegnung eines offiziellen Vertreters Japans mit den Juden, denen der Ferne Osten durch ihn zur temporären ‚Heimat’ wurde, zum Schicksal der europäischen Juden. Damit ist sie auch unverzichtbarer Teil der japanisch-deutschen Geschichte.“ (E. Maul)

 

 

"Freundschaftskonzert" am 23.01.2011

Mit einem „Freundschaftskonzert“ endete die Ausstellung „Neujahr in Japan“ im Kulturmodell. Matthias von Pollak und Michael Beck, beide Trompete, sowie der Organist Peter Voitz am Klavier spielten Teile des Programms, mit dem sie im Sommer 2010 in Passaus Partnerstadt Akita und in Kanazawa konzertiert hatten (Bild links). 

Außerdem berichtete Herr von Pollak in Wort und Bild über die Reise. Die Musiker waren tief beeindruckt von der Gastfreundschaft, die sie in Japan erfahren hatten, und nicht minder von den mit einer Orgel ausgestatteten Konzertsälen.

So konnten die zahlreichen Zuhörer in Passau nicht nur schöne Musik genießen, sondern auch einen Eindruck von gelebter Städtepartnerschaft gewinnen. Die Stadt Passau war durch 2. Bürgermeister Urban Mangold vertreten, der in seiner kurzen Ansprache das große Engagement der DJG würdigte. Mit dem Konzert bedankten sich die Musiker bei der DJG Passau, die diese Reise im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt hatte. Das Konzert in Kanazawa war durch Vermittlung der DJG Regensburg zustande gekommen, mit der die DJG Passau in Kontakt steht. So war das Konzert in mehrfacher Hinsicht ein Zeichen der Freundschaft.

An diesem letzten Tag nutzte noch manch einer die Gelegenheit, die vielen interessanten Exponate zu betrachten – z.B. auch Volkskundliches aus Akita (Bild mitte, vorn links in der Vitrine) – und die informativen Texte zu lesen. Der ruhige Winkel, in dem mit einem alten Rollbild ein tokonoma (die Bildnische in einem japanischen Wohnraum) angedeutet wurde, verwandelte sich an diesem Spätnachmittag in eine Ablage für Instrumente – eine west-östliche Melange …  (Bild rechts)

Matthias von Pollak und Michael Beck (Trompete), Peter Voitz (Klavier)
Volkskundliches aus Akita
Fast ein tokonoma (Bildnische in einem japanischen Wohnraum)

Ausstellung „Neujahr in Japan“ (2. – 23.1.)

NEUJAHR in JAPAN – mit dieser einmaligen Ausstellung behandelt die DJG Passau ein bisher kaum beachtetes Thema. Da Neujahr einen so hohen Stellenwert in Japan hat, war es an der Zeit, das Fest mit seinen Bräuchen und Traditionen bei uns vorzustellen. Der erste Teil behandelt das Thema „Neujahrsgrüße“: die Vielfalt der Motive und ihrer bildnerischen Umsetzung, Grußkarten, die Japaner ins Ausland schicken (rechts) und Karten für den inländischen Gebrauch (links)

 

 

 

Neben dem Fuji, Kranichen und anderen Glückssymbolen findet man auf vielen Grußkarten „Ikonen des Farbholzschnitts“ (links).

 

Die Großaufnahme von einem traditionellen Toreingang zu einem privaten Anwesen und eigens angefertigte Neujahrsgestecke mit Kiefer und Bambus (kadomatsu)vermittelten eine fast authentische Atmosphäre (Mitte).

Neujahrsgeschenke, Neujahrsspeisen, Neujahrsschmuck, -spiele u.a. wurden vorgestellt. Ein Blickfang waren die zwei Hago-ita, Schläger für das traditionelle Federballspiel der Mädchen zu Neujahr, die man gern zur Dekoration aufstellt. (Leihgaben aus dem Siebold-Museum Würzburg, rechts) www.wuerzburg.de/siebold-museum

 

 

Anhand von Texten und Bildern konnten die Besucher sich über Veranstaltungen, die in der  Öffentlichkeit stattfinden, informieren: über den Besuch von Schreinen oder Tempeln, über den 2. Januar, an dem der Kaiser sich dem Volk zeigt und dessen Glückwünsche entgegennimmt, über die traditionellen Feuerwehrübungen an Bambusleitern u.v.a.m. Auch das Brauchtum in der Gegend von Akita, Passaus Partnerstadt, wurde vorgestellt.

Mit der Sonderschau „Historische japanische Streichholzetiketten“ (Sammlung Skupy) präsentierte die DJG Passau ebenfalls etwas Neues, den meisten Unbekanntes. Japan produzierte vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg Streichhölzer für den Export und dazu passende Etiketten, sei es für asiatische Länder oder auch die USA. Eine Vitrine gewährte „Einblicke in eine Sammlung“.